Leoliner NGTW 6 von LFB / HeiterBlick Fotos
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Zwei gekuppelte LeoLiner, der TW 1309 „Böhlitz-Ehrenberg“ gekuppelt mit 1327 „Grünau“ der LVB (Leipziger Verkehrsbetriebe), als Line 7 von Böhlitz-Ehrenberg nach Sommerfeld, hier am 11 Juni 2022 beim Hauptbahnhof Leipzig (Willy-Brandt-Platz). Die Linie 7 verläuft von Westen nach Osten durch das Leipziger Stadtgebiet und verbindet Böhlitz-Ehrenberg und Sommerfeld.
Der LeoLiner ist sechsachsigen Niederflur-Gelenktriebwagen vom Typ NGTW6-L der von der Leipziger Fahrzeugservice-Betrieben GmbH (LFB), heute IFTEC GmbH und HeiterBlick GmbH, entwickelt wurde. Die Elektrik ist von Kiepe Electric (früher Vossloh Kiepe).
Als Leoliner wird heute eine Familie von Straßenbahn-Fahrzeugen der HeiterBlick GmbH bezeichnet. Die ersten beiden Prototypen vom Typ NGTW6 (Niederflur-Gelenktriebwagen, sechsachsig) wurden in einer Zeit von nur zehn Monaten von den Leipziger Fahrzeugservice-Betrieben GmbH (LFB), heute IFTEC GmbH und HeiterBlick GmbH, entwickelt und gingen am 1. Juni 2004 der Straßenbahn Leipzig in den Linienbetrieb. Von 2005 bis 2008 wurden 30 weitere Serien-Leoliner im Werk der eigens ausgegliederten Leoliner Fahrzeug-Bau Leipzig GmbH (FBL) auf dem Kirow-Gelände in Leipzig-Lindenau als Einrichtungsfahrzeug für die LVB gebaut. Ihnen folgten in den Jahren 2010 und 2011 weitere 18 Wagen.
Gebaut wurden die Leoliner von der LEOLINER Fahrzeug-Bau Leipzig GmbH, die ab 2007 als HeiterBlick GmbH firmierte, seit 2026 gehört das Unternehmen zum polnischen Schienenfahrzeugbauer Pojazdy Szynowe Pesa Bydgoszcz.
Entwicklung und Bau der Prototypen:
Die Entwicklung der Leoliner begann mit der Überlegung der Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH (LVB), aufgrund der hohen Kosten herkömmlicher Neufahrzeuge auf dem Markt und zur Sicherung regionaler Arbeitsplätze eine Tradition aus der Anfangszeit des 20. Jahrhunderts wieder aufleben zu lassen und selbst Straßenbahnwagen zu bauen. Nachdem anfangs ein Umbau älterer, unmodernisierter Tatrawagen der Typen T4D und B4D unter anderem mit der Verwendung deren Drehgestelle ins Auge gefasst wurde, entschied man sich dann doch für die Entwicklung eines völlig neuen Niederflurgelenkwagen. Die LVB-Tochter LFB erhielt im Februar 2003 schließlich den Auftrag zu Entwicklung und Bau eines solchen sechsachsigen Niederflurgelenktriebwagens (NGTW6). Bereits zum Herbstauftakt am 20. September 2003 konnte der erste im Rohbau weitgehend fertiggestellte Wagen 1301 der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Nach der Fertigstellung der elektrischen Einrichtungen konnte im Dezember 2003 die erste Publikumsfahrt durchgeführt werden. In den Folgemonaten wurde der Wagen zusammen mit einem weiteren, bereits geringfügig modifizierten Prototyp ausgiebig im Streckennetz getestet. Nach erfolgter Zulassung verkehrten beide Wagen am 1. Juni 2004 als Doppeltraktion erstmals auf der Linie 11E (Wahren–Dölitz). Infolge ihrer Wagenkastenbreite von 2,3 m bestanden zahlreiche Konfliktpunkte mit den auf 2,2 m breite Fahrzeuge ausgelegten Bahnsteigen im Netz, sodass die Wagen jahrelang nur auf den Linien 11 und 11E eingesetzt werden konnten. Erst nach der Anpassung aller Haltestellen auf das neue Standardmaß von 2,3 m konnten auch die Prototypen freizügig im Netz eingesetzt werden.
Serienfertigung für Leipzig:
Nach erfolgreichen Tests der beiden Prototypen wurde Ende 2004 der Auftrag zur Lieferung von 30 Serien-Fahrzeugen vom Typ NGTW6-L erteilt, deren Preis sich etwa auf die Hälfte vergleichbarer Fahrzeuge am Markt belief. Aufgrund der mit den Prototypen gemachten Erfahrungen weisen die Serienwagen zahlreiche Änderungen auf. So wurde der Wagenkasten im Bahnsteigniveau auf 2,2 m eingezogen, um im Gegensatz zu den Prototypen einen freizügigen Einsatz im gesamten Netz zu gewährleisten. Des Weiteren wurde der Front- und Heckbereich der Fahrzeuge neugestaltet, die Außenschwenktüren durch Schwenkschiebetüren ersetzt und der Fahrerarbeitsplatz komplett überarbeitet. Für die Fahrgäste betreffen die Neuerungen eine Klapprampe für Rollstuhlfahrer an der zweiten Tür, ein neues Fahrgastinformationssystem mit TFT-Bildschirmen anstelle der LED-Anzeigen sowie mehr Sprechstellen zum Fahrer. Die Prototypen erhielten ESW-Kupplungen mit Kontaktaufsatz. Während im Doppeltraktionsbetrieb der Prototypen nur der vordere Stromabnehmer angelegt werden muss, ist dies bei den Serienwagen nicht mehr möglich, da über die nun einklappbaren Kupplungen keine Fahrstromübertragung mehr erfolgt, sodass erstmals in Leipzig mit zwei angelegten Stromabnehmern gefahren werden muss.
Die Triebwagen der Serie NGTW6-L mit Drehgestelltechnik und energiesparender Drehstromantriebssteuerung weisen einen Niederfluranteil von 60 % auf. Sie besitzen bei einer Fahrzeuglänge von rund 22 m insgesamt 39 Sitzplätze, wovon sich 20 im Niederflurbereich befinden, und 80 Stehplätze. Der Niederflurbereich liegt zwischen der zweiten und dritten Tür, das Laufdrehgestell hinter dem Gelenk ist mit Kästen abgedeckt. In diesem Bereich sind sechs Längssitze untergebracht. Über den Triebdrehgestellen ist der Wagenboden deutlich erhöht und über drei Stufen erreichbar. Der Vorteil dieser im Vergleich zu anderen Niederflurwagen deutlich höheren Lage ist ein ebener Wagenboden ohne störende Einbauten. Die Leoliner sind sowohl einzeln als auch in Doppeltraktion einsetzbar, womit eine Gesamtlänge von knapp 45 Metern erreicht wird, die den bisher eingesetzten Tatra-Großzügen entspricht.
Das erste Serienfahrzeug wurde am 6. Dezember 2005 an die Leipziger Verkehrsbetriebe übergeben. Der Wagen 1332 wurde erst zum Jahresende 2008 als letztes Fahrzeug an die LVB übergeben. Die LVB bestellten die LVB im Juni 2009 weitere 18 Fahrzeuge dieses Typs, wovon am 7. Mai 2010 die ersten beiden Exemplare in Betrieb genommen werden konnten. Sie unterscheiden sich in Details von den Wagen der ersten Serie, wovon die farbigen LED-Zielanzeigen die augenfälligste Neuerung darstellen, die später auch an den früheren Fahrzeugen nachgerüstet wurden. Mit der Übernahme des 50. Wagens konnte die Auslieferung im Mai 2011 abgeschlossen werden.
Alle 50 Wagen dieses Typs erwiesen sich über längere Zeit nicht im erhofften Maße als einsatzstabil. So kam es in den ersten Jahren wiederholt durch verschiedene Schäden (bevorzugt an den Drehgestellen) zu längeren, im Extremfall mehrjährigen Abstellungen einzelner Wagen. Zur Erhöhung der Einsatzstabilität erfolgte seit 2011 bei allen Wagen eine Getriebesanierung und die Umrüstung auf ein neues Radsystem. Beide Maßnahmen konnten zwar Ende 2013 abgeschlossen werden, jedoch schränkten weiterhin diverse Probleme die Verfügbarkeit der Wagen immer wieder ein. Nach weiteren Verbesserungen konnte die Einsatzstabilität weiter gesteigert werden, sodass sie schließlich zum zuverlässigsten Fahrzeugtyp in der Leipziger Flotte wurden.
Momentan erfolgt der Einsatz nahezu ausschließlich als Doppeltraktion auf der Linie 3/3E (Knautkleeberg – Taucha/Sommerfeld) und der Linie 7 (Böhlitz-Ehrenberg – Sommerfeld), wobei die Wagen bei Bedarf im gesamten Liniennetz angetroffen werden können.
TECHNISCHE DATEN:
Anzahl für Leipzig: 50 (48 Serienwagen und 2 Prototypen)
Hersteller Mechanik: LFB/FBL/HeiterBlick
Hersteller Mechanik: Elektrik: Kiepe Elektrik
Spurweite: 1.458 mm
Achsformel: Bo’2’Bo’
Bauart: Einrichtungs-Triebwagen
Länge: 22.680 mm
Breite: 2.300 mm
Höhe: 3.690 mm
Drehzapfenabstand: 6.400 mm bzw. 8.160 mm
Achsabstand im Trieb-Drehgestell: 1.900 mm
Achsabstand im Lauf-Drehgestell: 1.600 mm
Treibraddurchmesser: 700 mm (neu) / 635 mm (abgenutzt)
Laufraddurchmesser: 550 mm (neu) / 500 mm (abgenutzt)
min. Gleisradius: 17 m
Leergewicht: 27.300 kg
Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h
Stundenleistung: 4 × 65 kW = 260 kW
Steuerungsart: Betriebsablaufsteuerung über Mikroprozessor
Motoren: VEM eigenbelüftete Drehstrom-Asynchronmotoren vom Typ DKABZ 0305-4A (2.016 U/min)
Getriebeübersetzung: 8,775 : 1
Netzspannung: 600 V DC
Sitzplätze: 39
Stehplätze: 79
Anzahl Fahrgasttüren: 4
Fußbodenhöhe Einstieg: 320 mm
Fußbodenhöhe Niederflurbereich: 350 mm
Fußbodenhöhe Hochflurbereich: 900 mm
Armin Schwarz
Armin Schwarz
Straßenbahn / Stadtverkehr; Halberstadt; NGTW 6-H Nr.4 Leolier vo LFB Baujahr 2007 in der Gröpernstraße in Halberstadt am 24.07.2015.
Karl Sauerbrey
Karl Sauerbrey
Straßenbahn/ Stadtverkehr; Halberstadt; NGTW 6-H Nr.3 Leoloiner von LFB Baujahr 2006 an der Haltestelle Hoher Weg in Halberstadt am 24.07.2019.
Karl Sauerbrey
Karl Sauerbrey
Straßenbahn / Stadtverkehr; Leipzig; NGTW 6 Nr.1346 Leoliner von LFB Baujahr 2011 am Augustusplatz in Leipzig am 23.07.2019.
Karl Sauerbrey
Karl Sauerbrey
Straßenbahn / Stadtverkehr; Leipzig; NGTW 6 Nr.1336 Leoliner von LFB Baujahr 2010 am Augustusplatz in leipzig am 23.07.2019.
Karl Sauerbrey
Karl Sauerbrey